gepostet von Renate

Mehr Hardware als gewohnt auf meinem Schreibtisch. Besondere Zeiten erfordern besondere Technik.
Foto: RvH

Wer Technik kann, ist klar im Vorteil. So scheint es zumindest in diesen Tagen. Alles dreht sich um Zoom, Skype, Trello und andere Plattformen, die Kommunikation trotz Social Distancing ermöglichen. Insbesondere in meinem professionellen Kontext, wo sie sogenannte Präsenzveranstaltungen wie Live-Workshops und Teamsupervisionen vor Ort ersetzten sollen.

Ein Kollege hat sich kurzfristig sogar einen extra großen Bildschirm gekauft, um alles im Blick zu behalten: Teilnehmer, Whiteboards*, Breakout Rooms**. Ich frage mich, ist das eine Art, diese Krise zu bewältigen? Sie zu strukturieren und in ein neues Format zu gießen, Kontrolle zu behalten? Sicherlich. Gleichzeitig aber nimmt die digitale Revolution in Deutschland gewaltig Fahrt auf. Es entwickeln sich Formate und Erfahrungen, die in Zeiten eines Alltags jenseits des ausgangsbeschränkten Home Office wertvoll und sinnvoll sein können.

Zugegeben, zuerst habe ich den Kollegen mit dem großen Bildschirm ein wenig belächelt. Doch inzwischen habe auch ich einen alten XL-Bildschirm entstaubt. Er wird bei der nächsten Moderation eines Video-Meetings zum Einsatz kommen. Ich werde – so zumindest der Plan – die Teilnehmer besser sehen können: ihre Gesichter, die Haltung des Kopfes, also das vom Körper, was der Bildschirm zulässt.

Sitzen die Mitglieder eines Teams zusammen in einem Raum, kommunizieren die Körper miteinander. Im Zuge meiner Arbeit als Teamsupervisorin höre ich normalerweise auch diesem bedeutenden Teil des Gesprächs zu. Gerade in Zeiten von Corona, in denen unsere Körper bedroht sind, sprechen sie vermutlich noch einmal auf andere Art. In einem Zoom Meeting fällt dieser Austausch weg. Umso wichtiger werden die Gesichter.

Ich frage mich, ob wir in der virtuellen Welt nach und nach eine sensiblere Wahrnehmung für Gesichter entwickeln werden. So wie bei einem Blinden der Hörsinn besonders ausgeprägt ist… über den manche sogar Schallwellen wahrnehmen, die von Gegenständen erzeugt werden.

Jedenfalls kommt auch bei mir jetzt mehr Technik zum Einsatz. Es fühlt sich an wie eine Forschungsreise. Ich bin gespannt, wie sich die Arbeit mit Teams verändern wird!

* Die digitale Variante des Flipcharts.

** Ich lächle immer noch bei diesem Begriff: Breakout Room, von was? Oder doch eher Emergency Room?

Renate von Hodenberg
Renate von Hodenberg – Dipl. Betriebswirtin und Gruppenanalytikerin. Renate ist immer ganz bei der Sache und bewahrt den Überblick, egal ob beim Beraten von Unternehmen in Krisen, Supervidieren von Teams, in denen es hoch hergeht, oder auf anspruchsvollen Bergtouren.