gepostet von Christian

Christian Jakubetz und Marion Kuchenny

In weiter Ferne und doch so nah: Christian Jakubetz und Marion Kuchenny beim gemeinsamen Podcasten.
Fotos privat

Es ist ja nicht so, dass wir nichts zum Thema Podcasten wüssten. Schließlich beschäftigen wir uns schon länger damit und produzieren den einen oder anderen Podcast.

Einen “Daily”, einen täglichen Podcast, haben wir aber auch noch nie gemacht. Das bringt ein paar Erfahrungen mit sich. Manche dürften länger Bestand haben, andere sind vielleicht nur kurzfristig gültig. Falls Sie sich aber gerade die Frage stellen, ob ein Investment in einen Podcast lohnenswert sein könnte, hier kommen ein paar unserer aktuellen Erkenntnisse:

“Daily” ist ein harter Job. Oder sagen wir: eine echte Herausforderung. Sogar zu solch ungewöhnlichen Zeiten, in denen man meinen könnte, die Themen lägen nur so auf der Straße herum. Selbst dann, wenn man gar keinen täglichen Podcast machen will, lässt sich eine wichtige Lektion aufschreiben: Man muss sich wirklich vorher darüber im Klaren sein, ob ein Thema für einen Podcast über einen längeren Zeitraum trägt. Klar, kein Podcast muss ein Projekt für die Ewigkeit sein. Manche sind von vornherein auf eine bestimmte Zahl von Folgen ausgelegt. Aber auch für eine Staffel mit, sagen wir, acht bis zehn Folgen bleibt die Grundsatzfrage:

Was soll in diesen Episoden passieren?
Banale Frage, denken Sie? Keineswegs. Wenn Sie es nicht glauben, machen Sie sich gerne einen Themeplan für einen Podcast Ihrer Wahl. Und dann streichen Sie alles weg, was

  • redudant
  • nur so mittelspannend
  • nicht von anderen schon gesagt
  • als Audio nicht gut darstellbar

ist.

Und, sind Ihre Folgen schon gefüllt? Jede mit mindestens 15 bis 20 Minuten, und zudem so, dass sie alle wenigstens ein bisschen Halbwertzeit haben und ggf. auch in ein paar Wochen noch hörenswert sind? Wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind, werden Sie feststellen: Auf eine etwaige erste Podcast-Euphorie folgt schnell etwas Ernüchterung.

Die Tücken der Technik
Und dann die Technik. Klar, es stimmt schon, was alle schreiben: Podcasts sind vergleichsweise simpel zu produzieren, man braucht nicht viel dazu. Allerdings gehört ebenfalls zur Wahrheit, dass gute Technik nicht schaden kann. Gute Technik hat, zumindest bei multimedialen Produktionen, aber auch einen anderen Effekt: Es macht die Sache komplizierter. Momentan kämpfe ich gerade mit meinem Mikro-Setup, nachdem wir Marions anfängliche Probleme schnell und mit einem simplen Kniff in den Griff bekommen haben (siehe auch unseren Betrag zum Thema Mikros). Mein Mikro knistert, was nichts mit dem Mikrofon, mutmaßlich aber mit dem neuen Interface zu tun haben dürfte.

Wie das halt so ist: Man will etwas verbessern, es wird komplizierter und dann erstmal schlechter. Man braucht folglich eine gewisse Ausdauer, will man das perfekte Setup für sich finden. Zumal man bei Fragen zum Thema “Digitaler Technik” selbst von Leuten, die sich prima damit auskennen, gerne erst einmal ein “kommt drauf an” als Antwort bekommt.

Singe, wem Gesang gegeben
Und schließlich noch ein freundlicher Hinweis an alle, die wahlweise für sich selbst produzieren oder beispielsweise als Agenturen ihre Kunden in Podcasts platzieren wollen: Der Begriff “Mikrofontauglichkeit” kommt nicht von ungefähr. Gekoppelt mit dem Wort “Eloquenz” spielt er gerade bei Audioformaten eine naturgemäß große Rolle. Nicht jeder, der ein brillanter Geist ist, ist auch ein großer Redner. Nicht jeder, der wunderbare Texte schreiben kann, hört sich vor einem Mikro genauso wunderbar an. Und nicht jeder gute Redner ist auch ein brillianter Geist…

Kurz gesagt: Lieber etwas mehr als zu wenig Selbstkritik. Zumal mal einen verunglückten Text noch immer ganz gut redigieren kann. Bei einem Podcast ist das schon wesentlich schwieriger.

Eiserne Regel des Podcasts: Man lernt nie aus
Was wir nach mehr als zwanzig Folgen im Daily-Podcast-Format “Alles anders” ebenfalls gelernt haben: Ein Podcast ist nicht gut, nur weil er lang ist. Oder anders: Es ist ganz schön schwierig, eine halbe oder womöglich ganze Stunde so zu befüllen, dass sie ohne Hänger spannend bleibt. Eigenartigerweise scheint das aber für viele Podcaster so ein unausgesprochenes Gesetz zu sein: Podcasts müssen demnach gerne eine Stunde oder noch mehr haben. Bei “Alles anders” machen wir inzwischen netto (also ohne Musik) nicht mehr als gut 15 Minuten. Am Anfang waren es gerne mal spürbar über 20. Bis wir dann, siehe das Thema Selbstkritik, uns eingestehen mussten: Jeden Tag gute und gehaltvolle 20 Minuten, das ist viel schwieriger als man meint. Davon abgesehen, dass sich Hörer 15 Minuten auch mal viel eher geben als eine ganze Stunde.

Kurzum: Seit rund einem Monat machen wir jetzt dieses Daily-Format. Und es gab keinen einzigen Tag, an dem wir nicht irgendwas dabei dazugelernt hätten. Daran, fürchte ich, wird sich auch in der nächsten Zeit nicht viel ändern.