gepostet von Klaus

Autor Klaus jongliert mit der Erwartung, dass irgendwann das Leben wieder im Fluss sein wird.
Foto: Dirk Daniel Mann

Warten lernen wir gewöhnlich dann, wenn wir nichts mehr zu erwarten haben, philosophierte die Österreichische Aphoristikerin Marie von Ebener-Eschenbach schon vor über 100 Jahren sehr treffend. Worauf würde die weise Dame heute wohl warten.

Würde sie ihrem smarten Landsmann und Kanzler Sebastian Kurz persönlich aufwarten, um nach der vollständigen Rückgabe der von einem Virus dahingerafften Freiheitsrechte zu fragen? Würde sie abwarten, wie sich die unübersichtliche Lage entwickelt und darauf vertrauen, dass alles wieder gut wird, wenn sie nur lange genug wartet? Oder würde sie einfach erwarten, dass die Politik den mündigen Bürgern einen selbstverantwortlichen Umgang mit der pandemischen Corona-Krise zutraut?

Wir wissen es nicht. Was wir hingegen wissen, ist, dass alles einen Anfang und ein Ende besitzt. Und wenn wir lange genug warten, wird das Warten auch irgendwann ein Ende haben. Fatalerweise haben wir fast alle verlernt, in Ruhe zu warten.

Diese herausfordernede Übung ist eine der prägensten dieser verwirrten Virenzeit. Wir warten förmlich darauf, dass wir irgendwann infiziert werden. Wir warten auf Atemschutzmasken. Wir warten auf neue Zahlen der Infizierten und Toten, wir warten, bis Tote wieder würdevoll beerdigt werden dürfen.

Wir warten auf die Wiedereröffnung der kleinen Geschäfte, der Friseure, der Konzerthallen, der Theaterbühnen, der Fitnessstudios, der Schwimmbäder, ja sogar auf die Wiedereröffnung der Kirchen. Wir warten darauf, zum erlesenen Kreis der Immunisierten zu gehören. Man kann es kaum glauben, dass wir uns mit dem allgegenwärtigen Warten so klaglos, ergeben und zeitlos abfinden.

Es wird Zeit, dass wir uns das Leben zurückerobern. Wir können auf den Tod warten, der mit Sicherheit kommen wird. Aber wir müssen uns nicht mit endlosen Warteschleifen abfinden. Wir können auch diese Wartezeit Tag für Tag gestalten und genießen. Machen wir dem Wunder des Lebens wieder unsere Aufwartung. Worauf warten wir?

Klaus Höfler ist Multi-Unternehmer, Kommunikator, Consultant, Business- und Mental-Coach. Klaus besitzt über 30 Jahre Berufserfahrung in Marketing, Werbung und Kommunikation. Er ist Gründer und Inhaber der Leitstern Company.