gepostet von Kristian

Kaufinger Straße 2020 während Corona Virus

Konsum im Leerlauf. Samstagmittag auf der Kaufinger Straße.
Foto: KL

Wie viele unserer Mitmenschen folgen auch wir nun dem neuen Megatrend: Spazierengehen. Fragt mich, wie schwer es früher war, mich zum Spazieren vor die Tür zu bekommen. Laufen gehen draußen? Ja, immer. Bergwandern? Nur zu. Aber Spazieren? Nur, wenn es echt sein musste. Also nie.

Aber jetzt ist ja gerade alles anders. Daher lautet die neue Maxime: Raus an die frische Luft – wider dem Lagerkoller. Und das ist auch okay so.

Unsere Spazier-Route für diesen Samstagmittag: Von Schwabing zum Marienplatz und zurück. Sprich einmal durch die Münchner Innenstadt, knapp 10 Kilometer. Vorteil der unorthodoxen Route: Wir vermeiden an diesem schönen Frühlingstag die hohe Dichte an Radausflüglern, Spaziergängern und Joggern in den Parks und insbesondere an der Isar.

Auf dem Weg ins kommerzielle Herz der Stadt laufen wir durch vergleichsweise menschenleere Straßen. Daran hat man sich in den vergangenen Tagen ja fast schon gewöhnt. Das neue Normal sozusagen. Die sonst stets proppenvolle und umsatzstärkste Einkaufsmeile der Republik von Neuhauser Straße zur Kauffinger Straße bietet uns dann aber doch noch ein ganz besonderes Schauspiel: Nämlich gar keins.

Die Fußgängerzone ist nahezu verwaist. Geschäfte zu, Wirtshäuser geschlossen, Straßenkünstler in der Zwangspause. Ein paar Tauben, ein paar versprengte Fußgänger, ein Flaschensammler, der in Mülleimern nach Verwertbaren sucht. Die Szenerie erinnert an eine Uhrzeit sehr früh am Morgen, bevor der alltägliche Einkaufstrubel losbricht. Dann sind hier auch nicht gerade viele Menschen unterwegs. Doch etwas irritiert:

Es ist die Stille.

Es ist eine besondere Form der Stille. Eine Lautlosigkeit, die in den Ohren dröhnt. Faszinierend, aber auch seltsam verunsichernd. Die Einkaufsmeile schweigt. Kein Tummeln, kein Trubel.

Nur Stille.

Und schon wieder so ein neuer Eindruck in besonderen Zeiten, den man nicht vergessen wird. Erkenntnis des Tages: Stille ist hoch in den Bergen oder in den Weiten einer Ebene etwas Tolles. In der Fußgängerzone hingegen ist sie es nicht.

Um das hier jetzt aber nicht so bedeutungsschwanger enden zu lassen: Der Spaziergang war dennoch schön. Frische Luft tut gut. Die Abwechslung zu Arbeit und Netflix auch. Die Sonne schien. Und morgen wird sie wieder scheinen. Weiter geht es, auch wenn gerade alles nicht nur anders ist – sondern auch stiller.