gepostet von Renate

Auf Reisen habe ich es immer dabei, mein Fernglas. Auch bei der Erkundung neuer, virtueller Räume.
Illustration: KL

Plötzlich wird nur noch auf digitalen Plattformen kommuniziert anstatt in Besprechungszimmern und Büros. Zoom, Slack und ähnliche machen es möglich und eröffnen neue virtuelle Räume im Berufsalltag. Neue Räume für mich – und vermutlich für viele andere auch. Grund genug also, die neuen virtuellen Räume zu betreten und mich berufliche auf eine  Forschungsreise zu begeben.

Als Beraterin arbeite ich viel mit Teams, und das eigentlich immer vor Ort. Also interessiert mich, wie Präsenztermine in virtuelle Räume umziehen. Was ist dabei zu beachten? Welche Plattformen kommen in Frage. Welche davon bieten den nötigen Datenschutz. Was muss ich auf technischer Seite beachten. Wie bereite ich ein Team auf diesen virtuellen Umzug vor.

Und außerdem bin ich neugierig, wie es mir als Teilnehmerin von virtuellen Veranstaltungen geht. Ein Perspektivenwechsel: Ich begebe mich aus der Beraterrolle in die Rolle meiner Teilnehmer. Was sie virtuell wohl alles erleben?

Ich erlebe Erstaunliches, aber auch Frustrierendes. Berührendes und Überraschendes.

Erstaunlich ist, wie verbunden ich mich in virtuellen Gesprächen fühle, wie aufgehoben in so bewegten und verunsichernden Zeiten. Wie viel Nähe da aufkommen kann, im Zweidimensionalen.

Frustrierend hingegen, weil die Technik manchmal im Weg ist. Internetleitungen brechen ab, Teilnehmer sind nur schwer verständlich. Ein Rascheln, Husten, bellende Hunde, Zurufe an Kinder im Homeschooling. Nebengeräusche also aus allen nicht virtuellen, aber zugeschalteten Räumen.

Und ich erlebe Berührendes. Ich betrete eine Video Konferenz. Innerhalb von wenigen Minuten bin ich mit über achtzig Teilnehmern verbunden. Kollegen, rund um den Globus verteilt. Ein Chor von Begrüßungen, herzliches Zuwinken. Viele kenne ich von unterschiedlichen Gelegenheiten. Einige aus intensiven kollegialen Gesprächen und Begegnungen. Trotz großer Teilnehmerzahl wird im Laufe dieses virtuellen Treffens ein besonderer, auch persönlicher Austausch möglich. Das berührt mich sehr.

Ja, und dann nach 1,5 Stunden das Ende. Ich klicke auf „Meeting verlassen“. Es dauert nur wenige Sekunden und es ist wieder still. Was ein Kontrast, ein Wechselbad der Gefühle. Es fühlt sich an wie abgeschnitten, fast wie ein Verlust. So ein abruptes Ende eines Treffens finde ich gerade jetzt nicht einfach. In Zeiten, in denen immer die Frage mitschwingt, ob man alle wiedersehen wird.

Und doch, es bleibt das Berührende und Verbindende, was mich weiter trägt. Ich bin froh über die Möglichkeiten der Begegnungen in virtuellen Räumen. Über die beruflichen Forschungsreisen hinaus.

Renate von Hodenberg
Renate von Hodenberg – Dipl. Betriebswirtin und Gruppenanalytikerin. Renate ist immer ganz bei der Sache und bewahrt den Überblick, egal ob beim Beraten von Unternehmen in Krisen, Supervidieren von Teams, in denen es hoch hergeht, oder auf anspruchsvollen Bergtouren.