Alles anders2020-04-01T19:07:33+02:00

Jakubetz & Laban bloggen.

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Alltag im Neuland. Ein spontan entstandener Blog, um sich gewisse Dinge von der Seele zu schreiben. Beobachtungen und Gedanken in besonderen Zeiten. Von uns, von Freunden, ohne kommerzielle Hintergedanken.
Alltag im Neuland. Ein spontan entstandener Blog, um sich gewisse Dinge von der Seele zu schreiben. Beobachtungen und Gedanken in besonderen Zeiten. Von uns, von Freunden, ohne kommerzielle Hintergedanken.

Den sich immer größerer Beliebtheit erfreuenden Alles-Anders-Podcast von und mit Marion Kuchenny und Christian Jakubetz gibt es hier zu hören:

Den sich immer größerer Beliebtheit erfreuenden Alles-Anders-Podcast von und mit Marion Kuchenny und Christian Jakubetz gibt es hier zu hören:

Täglich auf Sendung: Was wir vom Dauer-Podcasten mitnehmen

gepostet von Christian

Christian Jakubetz und Marion Kuchenny

In weiter Ferne und doch so nah: Christian Jakubetz und Marion Kuchenny beim gemeinsamen Podcasten.
Fotos privat

Es ist ja nicht so, dass wir nichts zum Thema Podcasten wüssten. Schließlich beschäftigen wir uns schon länger damit und produzieren den einen oder anderen Podcast.

Einen “Daily”, einen täglichen Podcast, haben wir aber auch noch nie gemacht. Das bringt ein paar Erfahrungen mit sich. Manche dürften länger Bestand haben, andere sind vielleicht nur kurzfristig gültig. Falls Sie sich aber gerade die Frage stellen, ob ein Investment in einen Podcast lohnenswert sein könnte, hier kommen ein paar unserer aktuellen Erkenntnisse:

“Daily” ist ein harter Job. Oder sagen wir: eine echte Herausforderung. Sogar zu solch ungewöhnlichen Zeiten, in denen man meinen könnte, die Themen lägen nur so auf der Straße herum. Selbst dann, wenn man gar keinen täglichen Podcast machen will, lässt sich eine wichtige Lektion aufschreiben: Man muss sich wirklich vorher darüber im Klaren sein, ob ein Thema für einen Podcast über einen längeren Zeitraum trägt. Klar, kein Podcast muss ein Projekt für die Ewigkeit sein. Manche sind von vornherein auf eine bestimmte Zahl von Folgen ausgelegt. Aber auch für eine Staffel mit, sagen wir, acht bis zehn Folgen bleibt die Grundsatzfrage:

Was soll in diesen Episoden passieren?
Banale Frage, denken Sie? Keineswegs. Wenn Sie es nicht glauben, machen Sie sich gerne einen Themeplan für einen Podcast Ihrer Wahl. Und dann streichen Sie alles weg, was

  • redudant
  • nur so mittelspannend
  • nicht von anderen schon gesagt
  • als Audio nicht gut darstellbar

ist.

Und, sind Ihre Folgen schon gefüllt? Jede mit mindestens 15 bis 20 Minuten, und zudem so, dass sie alle wenigstens ein bisschen Halbwertzeit haben und ggf. auch in ein paar Wochen noch hörenswert sind? Wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind, werden Sie feststellen: Auf eine etwaige erste Podcast-Euphorie folgt schnell etwas Ernüchterung.

Die Tücken der Technik
Und dann die Technik. Klar, es stimmt schon, was alle schreiben: Podcasts sind vergleichsweise simpel zu produzieren, man braucht nicht viel dazu. Allerdings gehört ebenfalls zur Wahrheit, dass gute Technik nicht schaden kann. Gute Technik hat, zumindest bei multimedialen Produktionen, aber auch einen anderen Effekt: Es macht die Sache komplizierter. Momentan kämpfe ich gerade mit meinem Mikro-Setup, nachdem wir Marions anfängliche Probleme schnell und mit einem simplen Kniff in den Griff bekommen haben (siehe auch unseren Betrag zum Thema Mikros). Mein Mikro knistert, was nichts mit dem Mikrofon, mutmaßlich aber mit dem neuen Interface zu tun haben dürfte.

Wie das halt so ist: Man will etwas verbessern, es wird komplizierter und dann erstmal schlechter. Man braucht folglich eine gewisse Ausdauer, will man das perfekte Setup für sich finden. Zumal man bei Fragen zum Thema “Digitaler Technik” selbst von Leuten, die sich prima damit auskennen, gerne erst einmal ein “kommt drauf an” als Antwort bekommt.

Singe, wem Gesang gegeben
Und schließlich noch ein freundlicher Hinweis an alle, die wahlweise für sich selbst produzieren oder beispielsweise als Agenturen ihre Kunden in Podcasts platzieren wollen: Der Begriff “Mikrofontauglichkeit” kommt nicht von ungefähr. Gekoppelt mit dem Wort “Eloquenz” spielt er gerade bei Audioformaten eine naturgemäß große Rolle. Nicht jeder, der ein brillanter Geist ist, ist auch ein großer Redner. Nicht jeder, der wunderbare Texte schreiben kann, hört sich vor einem Mikro genauso wunderbar an. Und nicht jeder gute Redner ist auch ein brillianter Geist…

Kurz gesagt: Lieber etwas mehr als zu wenig Selbstkritik. Zumal mal einen verunglückten Text noch immer ganz gut redigieren kann. Bei einem Podcast ist das schon wesentlich schwieriger.

Eiserne Regel des Podcasts: Man lernt nie aus
Was wir nach mehr als zwanzig Folgen im Daily-Podcast-Format “Alles anders” ebenfalls gelernt haben: Ein Podcast ist nicht gut, nur weil er lang ist. Oder anders: Es ist ganz schön schwierig, eine halbe oder womöglich ganze Stunde so zu befüllen, dass sie ohne Hänger spannend bleibt. Eigenartigerweise scheint das aber für viele Podcaster so ein unausgesprochenes Gesetz zu sein: Podcasts müssen demnach gerne eine Stunde oder noch mehr haben. Bei “Alles anders” machen wir inzwischen netto (also ohne Musik) nicht mehr als gut 15 Minuten. Am Anfang waren es gerne mal spürbar über 20. Bis wir dann, siehe das Thema Selbstkritik, uns eingestehen mussten: Jeden Tag gute und gehaltvolle 20 Minuten, das ist viel schwieriger als man meint. Davon abgesehen, dass sich Hörer 15 Minuten auch mal viel eher geben als eine ganze Stunde.

Kurzum: Seit rund einem Monat machen wir jetzt dieses Daily-Format. Und es gab keinen einzigen Tag, an dem wir nicht irgendwas dabei dazugelernt hätten. Daran, fürchte ich, wird sich auch in der nächsten Zeit nicht viel ändern.

Tuesday, April 14, 2020|

Sprühende Fantasie

gepostet von Renate

Joggen bringt auch die Fantasie ins Laufen.
Illustration: KL

Heute früh beim Joggen im Englischen Garten. Trotz blauem Himmel und ersten wärmenden Sonnenstrahlen sind außer mir nur wenige Leute unterwegs.

Und doch: Plötzlich ertönt ein mächtiges Schnaufen hinter mir. In Sekundenschnelle läuft mein Kopfkino an. Ich stelle mir vor, wie ein aufgedrehter Gartenschlauch mit hohem Druck Wasser über meinen Rücken versprüht. Und mit dem Wasser natürlich all das, was der Schlauch noch so versprühen könnte – in diesen besonderen Zeiten.

Mit einem großen Satz weiche ich auf die danebenliegende Wiese aus. Der vermeintlich virensprühende Gartenschlauch überholt mich und entpuppt sich als ein gewöhnlicher Park-Jogger. „Hat es nicht genug Abstand zwischen uns”, kommentiert er mein Hakenschlagen. Ich reagiere erheitert und beschreibe ihm den Film, der gerade in meinem Kopf gelaufen ist. Wir lachen.

So zieht er schnaufend weiter seines Weges und ich rufe ihm noch hinterher: „Auf so vielfältige und ungewöhnliche Art kommt man gerade ins Gespräch!“ Er wendet sich um, entgegnet schmunzelnd „Bleiben Sie gesund!“

“Wofür sprühende Fantasie gut sein kann”, denke ich mir und freue mich auf dem Weg nach Hause über diesen Start in den Tag.

Renate von Hodenberg
Renate von Hodenberg – Dipl. Betriebswirtin und Gruppenanalytikerin. Renate ist immer ganz bei der Sache und bewahrt den Überblick, egal ob beim Beraten von Unternehmen in Krisen, Supervidieren von Teams, in denen es hoch hergeht, oder auf anspruchsvollen Bergtouren.
Monday, April 13, 2020|

Leben? Bitte warten!

gepostet von Klaus

Autor Klaus jongliert mit der Erwartung, dass irgendwann das Leben wieder im Fluss sein wird.
Foto: Dirk Daniel Mann

Warten lernen wir gewöhnlich dann, wenn wir nichts mehr zu erwarten haben, philosophierte die Österreichische Aphoristikerin Marie von Ebener-Eschenbach schon vor über 100 Jahren sehr treffend. Worauf würde die weise Dame heute wohl warten.

Würde sie ihrem smarten Landsmann und Kanzler Sebastian Kurz persönlich aufwarten, um nach der vollständigen Rückgabe der von einem Virus dahingerafften Freiheitsrechte zu fragen? Würde sie abwarten, wie sich die unübersichtliche Lage entwickelt und darauf vertrauen, dass alles wieder gut wird, wenn sie nur lange genug wartet? Oder würde sie einfach erwarten, dass die Politik den mündigen Bürgern einen selbstverantwortlichen Umgang mit der pandemischen Corona-Krise zutraut?

Wir wissen es nicht. Was wir hingegen wissen, ist, dass alles einen Anfang und ein Ende besitzt. Und wenn wir lange genug warten, wird das Warten auch irgendwann ein Ende haben. Fatalerweise haben wir fast alle verlernt, in Ruhe zu warten.

Diese herausfordernede Übung ist eine der prägensten dieser verwirrten Virenzeit. Wir warten förmlich darauf, dass wir irgendwann infiziert werden. Wir warten auf Atemschutzmasken. Wir warten auf neue Zahlen der Infizierten und Toten, wir warten, bis Tote wieder würdevoll beerdigt werden dürfen.

Wir warten auf die Wiedereröffnung der kleinen Geschäfte, der Friseure, der Konzerthallen, der Theaterbühnen, der Fitnessstudios, der Schwimmbäder, ja sogar auf die Wiedereröffnung der Kirchen. Wir warten darauf, zum erlesenen Kreis der Immunisierten zu gehören. Man kann es kaum glauben, dass wir uns mit dem allgegenwärtigen Warten so klaglos, ergeben und zeitlos abfinden.

Es wird Zeit, dass wir uns das Leben zurückerobern. Wir können auf den Tod warten, der mit Sicherheit kommen wird. Aber wir müssen uns nicht mit endlosen Warteschleifen abfinden. Wir können auch diese Wartezeit Tag für Tag gestalten und genießen. Machen wir dem Wunder des Lebens wieder unsere Aufwartung. Worauf warten wir?

Klaus Höfler ist Multi-Unternehmer, Kommunikator, Consultant, Business- und Mental-Coach. Klaus besitzt über 30 Jahre Berufserfahrung in Marketing, Werbung und Kommunikation. Er ist Gründer und Inhaber der Leitstern Company.
Thursday, April 9, 2020|

Völlig losgelöst

gepostet von Ute

Tägliche Exit-Strategie: Kindliche Leichtigkeit
Foto: UW

Ich lese: „Das Schlimmste steht uns noch bevor.“ Lachen aus dem Wohnzimmer. Die “Zeit online” schreibt: „Boris Johnson auf Intensivstation verlegt.“ Kichern und Singen eine Etage unter mir. “Die Sterberate steigt wieder.” Der Sohn schickt fröhliche Gitarrenriffs durch Haus. Ich lese von Stille, von Stillstand und vom Stillhalten. Mein Home-Schooling-Office-Alltag ist laut.

Draußen und drinnen stehen in keinem Verhältnis mehr zueinander. Meine Kinder schenken diesem absurden, neuen Alltag gnadenlose Unbekümmertheit und ich bin ihr fast pausenlos ausgesetzt. Wie unangemessen! Ihr Lachen und Herumalbern, ihr Singen, Musizieren und Toben machen, dass ich das Virus vergesse. Die Welt da draußen mit ihren erbarmungslos wachsenden Infektions- und Todeszahlen, die Stadt mit ihren geschlossenen Läden und Existenzängsten, die Krankenhäuser mit ihren nach Luft ringenden Patienten, die Verzweiflung in beengten Wohnungen, die anderen Kindern zum Gefängnis werden.

Zu all dem läuft der Soundtrack des sorglosen Kinderlachens.

Ich kann gar nicht anders: Die Stimmung überträgt sich. Unbemerkt tauche ich ab in diesen pastellfarbenen Familienkitsch, koppel mich ab vom unheilvollen Geschehen “da draußen”. Mit einem Mal dreht sich meine kleine Welt nur um sich selbst, “völlig losgelöst”. Nena lässt grüßen. Eine Insel der Sorglosigkeit. Bis auf einmal: “Pling!” Wieder eine Breaking News auf dem Smartphone. Der Nachrichtenticker öffnet sich mit seinen Kurven und Säulen und maskierten Gesichtern. Er holt mich jäh zurück in die Wirklichkeit. Wie festgenagelt bleibe ich sitzen, während sich der Zirkus um mich herum weiterdreht.

Seid ihr schon einmal ausgelassen auf dem Trampolin gesprungen und habt anschließend versucht, auf festem Untergrund weiterzuhüpfen? Versucht es! Es geht nicht. Die Füße sind schwer wie Blei, ein Zementsack scheint euch am Boden zu halten. Und ihr lacht euch scheckig. Einmal den begrenzten Raum des Trampolins verlassen, ist Fliegen verboten. Bleierne Schwere ersetzt die Schwerelosigkeit. So ungefähr fühlt sich das jedesmal an, wenn es wieder “Pling!” macht.

Und das ist – phasenweise – meine Exit-Strategie: Wenn die Meldungen beginnen, mich zu deprimieren, wenn die Stimmung umschlägt, tauche ich wieder ab ins tröstliche Kinderspiel. Ich blende aus. Ich weiß nicht, wie lange das noch funktioniert.

Ute Watzl, freie Autorin
Ute Watzl ist Journalistin in München und publiziert in den Bereichen Gesellschaft, Bergsport, Familie und alpine Kultur. Sie ist Autorin von “Meine Berge – Tourenbuch für Kinder”, erschienen im Zwerg am Berg Verlag.
Wednesday, April 8, 2020|

Forschungsreise in virtuellen Räumen

gepostet von Renate

Auf Reisen habe ich es immer dabei, mein Fernglas. Auch bei der Erkundung neuer, virtueller Räume.
Illustration: KL

Plötzlich wird nur noch auf digitalen Plattformen kommuniziert anstatt in Besprechungszimmern und Büros. Zoom, Slack und ähnliche machen es möglich und eröffnen neue virtuelle Räume im Berufsalltag. Neue Räume für mich – und vermutlich für viele andere auch. Grund genug also, die neuen virtuellen Räume zu betreten und mich berufliche auf eine  Forschungsreise zu begeben.

Als Beraterin arbeite ich viel mit Teams, und das eigentlich immer vor Ort. Also interessiert mich, wie Präsenztermine in virtuelle Räume umziehen. Was ist dabei zu beachten? Welche Plattformen kommen in Frage. Welche davon bieten den nötigen Datenschutz. Was muss ich auf technischer Seite beachten. Wie bereite ich ein Team auf diesen virtuellen Umzug vor.

Und außerdem bin ich neugierig, wie es mir als Teilnehmerin von virtuellen Veranstaltungen geht. Ein Perspektivenwechsel: Ich begebe mich aus der Beraterrolle in die Rolle meiner Teilnehmer. Was sie virtuell wohl alles erleben?

Ich erlebe Erstaunliches, aber auch Frustrierendes. Berührendes und Überraschendes.

Erstaunlich ist, wie verbunden ich mich in virtuellen Gesprächen fühle, wie aufgehoben in so bewegten und verunsichernden Zeiten. Wie viel Nähe da aufkommen kann, im Zweidimensionalen.

Frustrierend hingegen, weil die Technik manchmal im Weg ist. Internetleitungen brechen ab, Teilnehmer sind nur schwer verständlich. Ein Rascheln, Husten, bellende Hunde, Zurufe an Kinder im Homeschooling. Nebengeräusche also aus allen nicht virtuellen, aber zugeschalteten Räumen.

Und ich erlebe Berührendes. Ich betrete eine Video Konferenz. Innerhalb von wenigen Minuten bin ich mit über achtzig Teilnehmern verbunden. Kollegen, rund um den Globus verteilt. Ein Chor von Begrüßungen, herzliches Zuwinken. Viele kenne ich von unterschiedlichen Gelegenheiten. Einige aus intensiven kollegialen Gesprächen und Begegnungen. Trotz großer Teilnehmerzahl wird im Laufe dieses virtuellen Treffens ein besonderer, auch persönlicher Austausch möglich. Das berührt mich sehr.

Ja, und dann nach 1,5 Stunden das Ende. Ich klicke auf „Meeting verlassen“. Es dauert nur wenige Sekunden und es ist wieder still. Was ein Kontrast, ein Wechselbad der Gefühle. Es fühlt sich an wie abgeschnitten, fast wie ein Verlust. So ein abruptes Ende eines Treffens finde ich gerade jetzt nicht einfach. In Zeiten, in denen immer die Frage mitschwingt, ob man alle wiedersehen wird.

Und doch, es bleibt das Berührende und Verbindende, was mich weiter trägt. Ich bin froh über die Möglichkeiten der Begegnungen in virtuellen Räumen. Über die beruflichen Forschungsreisen hinaus.

Renate von Hodenberg
Renate von Hodenberg – Dipl. Betriebswirtin und Gruppenanalytikerin. Renate ist immer ganz bei der Sache und bewahrt den Überblick, egal ob beim Beraten von Unternehmen in Krisen, Supervidieren von Teams, in denen es hoch hergeht, oder auf anspruchsvollen Bergtouren.
Tuesday, April 7, 2020|

Neue Mitarbeiter im Home-Office

gepostet von Barbara

Lesen lässt den Geist fliegen

Neue Home-Office Mitarbeiterin (nutzt Zeit zum Lesen und Experimentieren mit Foto-Apps)
Foto: BL

Für AutorInnen ist das Home-Office nichts wirklich Neues. Vor nicht allzu langer Zeit zog ich mich, nach Erledigung von Einkäufen und Familien-Admin, normalerweise an den Schreibtisch zurück, gestört nur von der um Aufmerksamkeit bettelnden Katze, die versuchte, es sich auf meinem Keyboard gemütlich zu machen.

Anders ist also seit dem Londoner Lockdown, dass mein Home-Office jetzt drei neue Mitarbeiter hat, von denen ich keinen explizit eingestellt habe. Um Missverständnissen vorzubeugen – auch ohne Lockdown würde ich die Gesellschaft meines Mannes und meiner Töchter jeder anderen vorziehen, selbst wenn wir uns zu viert in einer Zelle befänden. Unser Home-Office dagegen hat sogar einen Garten und Blick ins Grüne. Ich weiß, wie glücklich wir uns schätzen dürfen.

Meine drei neuen Mitarbeiter haben theoretisch eigene Arbeiten zu erledigen, sind aber noch neu im Home-Office, was zwangsläufig zu vielen Fragen führt.

Passwörter für Online-Banking, Online-Shopping, das Schul-Portal und natürlich Netflix werden bei mir angefragt. Gerne auch mehrfach. Die Erwartungen der Schule scheinen im Moment manchmal auch Eltern einzubeziehen, so dass ich, statt mich meiner eigenen Arbeit zu widmen, in den letzten Tagen an Projekten über Afrika, den Stromkreislauf und Pluto, den Zwergplaneten, mitgewirkt habe. Virtuelle Klavier- und Schlagzeugstunden müssen geplant und per Videokonferenz durchgeführt werden. Die jüngeren Mitarbeiter werden beim Joggen begleitet (hier noch erlaubt) – was natürlich auch Spaß macht. Die jüngste Mitarbeiterin versucht sich gerade in der Küche zurechtzufinden und macht schmerzhafte Erfahrungen beim Zwiebelschneiden. Ich versuche mich nicht einzumischen, denn es geht hauptsächlich darum, dass alle Mitarbeiter sich am Kochen/Essen/Aufräumen beteiligen, wie es sich in einer guten Bürogemeinschaft gehört.

Vor dem Lockdown hatten die neuen Mitarbeiter das Konzept des Home-Office in erster Linie mit Ausschlafen in Verbindung gebracht. Hier konnten alle von meiner langjährigen Erfahrung profitieren. Der Wecker klingelt an Werktagen genau wie vor dem Lockdown. Außerdem wird Home-Office im Pyjama nicht toleriert. Jeder muss sich morgens anziehen. Es kam zu ersten Protesten der jüngeren Mitarbeiter. Die Schule hat ihre Androhung der ersten Stunde per Video-Konferenz um 8.30 Uhr, an der alle SchülerInnen in Schuluniform teilnehmen müssen, allerdings nicht wahr gemacht. Noch nicht. Wir sind auf das Schlimmste vorbereitet.

Montag und Donnerstag sind Putztage. Das gemeinschaftliche Saubermachen hat den Vorteil, dass alle Mitarbeiter mehr Gespür für den Wert dieser Tätigkeit bekommen und nicht einfach ihr Arbeitsmaterial (Klamotten, Schulbücher, Elektronisches) in die Ecke schmeißen.

Meistens denken wir nicht daran, warum wir uns jetzt alle gemeinsam im Home-Office befinden. Doch dann erinnern uns die TV-Nachrichten, traurige Mitteilungen von Freunden und Bekannten oder Krankenwagen-Sirenen in der sonst so gespenstisch stillen Stadt an den Grund, warum wir zu Hause bleiben. Die kleinen Streitigkeiten sind jetzt viel schneller vergessen als noch vor ein paar Wochen.

Mein Tag fühlt sich mindestens so geschäftig an wie vor dem Lockdown. Ich komme aber weiterhin zum Schreiben. Die Katze besucht mich seltener, jetzt wo sie mehrere Laptop-Besitzer zur Auswahl hat. Eigentlich schade, denn im Moment schreibe ich gerade an einem Buch über Katzen.

Barbara Laban lebt und arbeitet in London. Ihr Kinderbuch-Debüt »Im Zeichen des Mondfests« wurde mit dem Goldenen Pick und dem Goldenen Bücherpiraten ausgezeichnet. Zuletzt erschien von ihr das Buch „Rebecca – verflucht, ausgerechnet England!”. Barbara studierte Sinologie und arbeitete vor ihrer Tätigkeit als Buchautorin u.a. als Übersetzerin und Studienleiterin an einem Zentrum für chinesische Medizin.
Monday, April 6, 2020|

Ein Königreich für ein (Podcast-)Mikro

gepostet von Christian

Das Schöne an Podcasts: Man kann sie vergleichsweise schnell aufsetzen. Der Nachteil an Podcasts: Man hört sofort, wenn sie schnell aufgesetzt sind.

Für unseren “Alles anders”-Podcast (Bezugsquellen siehe Seitenkopf!) haben Marion Kuchenny und ich nicht lange gebraucht. Ein bisschen telefoniert, ein wenig Technik wie beispielsweise Zencastr oder Podcaster.de installiert – und nach gefühlten zwei Stunden Vorbereitungszeit, die in Wirklichkeit zwei Tage waren, ging die erste Folge online.

Um ehrlich zu sein: Die erste Folge würde ich am liebsten löschen und die Folgen zwei und drei auch. Davon abgesehen, dass wir nach so kurzer Zeit inhaltlich noch nicht wirklich rund liefen, hatten wir ein anderes, simples und gleichzeitig gewichtiges Problem. Radioprofi Marion arbeitet nämlich normalerweise beim Hessischen Rundfunk (genauer: sie moderiert bei HR1). Da gibt es hübsche Studios und High-End-Equipment. Bei ihr zuhause gab es ein Headset vom Handy. Das ging schon irgendwie, klang aber leicht blechern. Und verschenkte einen unseren (zumindest aus unserer Sicht) großen Vorteile bei diesem Projekt: Wir haben einen echten Moderations-Vollprofi an Bord und lassen den durch ein 30-Euro-Mikro reden.

Weil das natürlich auch der Radioprofi Marion sofort gehört hat, haben wir das schnell geändert. Marion hat sich ein Sennheiser-Mikro zugelegt – und schon klang (und klingt) das ganze nahezu wie im Studio. Die Einschränkung “nahezu” hat damit zu tun, dass wir den Podcast naturgemäß nicht Face to Face aufnehmen können, sondern über ein “virtuelles Studio” namens Zencastr. Das funktioniert leidlich gut als VoIP-Lösung, kann aber naturgemäß mit einem richtigen Studio nicht ganz mithalten. Trotzdem, für das schnelle podcasten oder auch nur Einholen von O-Tönen ist das eine weitaus bessere Lösung als beispielsweise Telefon oder Skype. Und im Zeitalter von Corona auch noch: alternativlos.

Wenn Sie also einsteigen wollen in “Alles anders”, machen Sie das idealerweise ab Folge 5 oder 6. Und wenn Sie selbst mal podcasten wollen: Sie dürfen alles, nur nicht am Mikro sparen.

Monday, April 6, 2020|

Jump!

gepostet von Christian

In Großbritannien tanzen gerade ganz viele Menschen diese Szene mit Hugh Grant nach. Warum? Weil die BBC diesen funky dance immer wieder in den Nachrichten gezeigt hat, nach dem Motto: Keep on groving! Keine ganz schlechte Idee. Und man stellt fest: Mr. Grant hat viele große Momente der Filmgeschichte zu verantworten, aber das ist vielleicht der Größte.

Sunday, April 5, 2020|

Social Distancing: Andere Planeten, andere Sitten.

gepostet von Kristian

Gruß der Vulkanier in Corona-Zeiten

Neue Begrüßungsgesten braucht das Land. Das vulkanische “V” zum Beispiel wäre gerade überaus alltagstauglich. 
Foto: BK

1992, New York, ein für damalige Verhältnisse unendlich cooler Laden irgendwo im East Village. „You wanna be the captain or a member of the crew?” Auf diese Frage des Verkäufers war ich nicht vorbereitet. Reflexartig entscheide ich mich für den Kauf des hellblauen Crew Member-Shirts von Mr. Spock. Schließlich ist man ja nur Tourist im Land und möchte nicht gleich anmaßend in die Chefrolle von James T. Kirk, dem Captain der USS Enterprise, schlüpfen.

Das Mr. Spock-Shirt aus der Science Fiction Fernsehserie Star Trek ist mittlerweile das mit Abstand älteste Kleidungsstück in meinem Schrank. Auch wenn ich es so gut wie nie trage, es übersteht regelmäßig jedes noch so rigorose Ausmisten des Kleiderschranks.

Mr. Spock stammt vom Planeten Vulkan. Mit der aktuellen Corona-Brille betrachtet scheinen die dortigen Bewohner sehr „pandemieerfahren“. Sie betreiben Social-Distancing auf Profi-Niveau. Denn die Vulkanier pflegen ein vergleichsweise unterkühltes Miteinander. Man folgt mit geringsten Emotionen den Leitlinien der Logik. Man handelt kontrolliert. Auch bei der Begrüßung hält der Vulkanier Abstand und berührt sich nicht.

Das “Grüß Gott” der Vulkanier lautet: „Live long and prosper.“ In der deutschen TV-Serien-Übersetzung wurde daraus ein „Lebe lang und in Frieden.“ Vielleicht sollten wir momentan alle einen Tick mehr den Vulkanier in uns suchen. Mein hellblaues Spock-Shirt halte ich jedenfalls in diesen Tagen besonders in Ehren.

Die sehr schöne Dokumentation „For The Love Of Spock“ über Star Treks Mr. Spock und dessen Darsteller Leonard Nimoy gibt es seit kurzem auf Netflix. Regisseur (und Sohn) Adam Nimoy geht darin auf eine sehr persönliche Entdeckungsreise. Prädikat: Faszinierend.

Saturday, April 4, 2020|

Corona-Blues? Keine Spur.

gepostet von Ute

Auf stillen Pfaden unterwegs

Plötzlich fast ein Privileg: Wohnen am Waldrand. Die Geschwister entdecken unbekannte Pfade. Ganz ohne Mindestabstand.
Foto: UW

Das Jammern wird lauter. „Kein Ausflug in die Berge! Reist mit mir in Gedanken“, rufen die Insta-Accounts mit ihren blau-weiß-grünen Gipfelbildern. „Keine Kletterhalle! Bouldern kann man überall“, wird mit witzigen Filmchen aus den Wohnzimmern getwittert. Woche zwei der Ausgangsbeschränkungen. Meine Outdoor-Community wird indoor kreativ im kollektiven Lockdown: mit Gipfelrätseln, virtuellen Touren, T-Shirt-Aktionen und Podcasts. Und aus allem schreit die gemeinsame Sehnsucht, endlich wieder ausfliegen zu können, zu Fuß, auf Ski, mit dem Rad, am Seil.

Und ich? Ich sitze in der Sonne im Garten, beim Spiel mit den Kindern, putze die Wohnung, ich koche (!), ich turne mit den Kids – und das alles mit ungekannter Seelenruhe. Von Lagerkoller keine Spur. Ich nehme mir Zeit; was ich tue, tu ich mit Hingabe, sogar kochen (!). Ich genieße das Alltägliche, die kleinen Routinen. Wie oft hatte ich mir das insgeheim gewünscht. Es wollte mir nie so recht gelingen.

Was ist eigentlich passiert?

Dabei hatte man mir einen besonders gravierenden Corona-Blues prophezeit. Hatte ich nicht immer schon die nächste Skitour im Kopf, die nächste Bergtour, den nächsten Gipfel? Stand ich nicht immer schon wieder mit einem Fuß auf der Fahrrad-Pedale, noch während ich Hausaufgaben kontrollierte, Stunden beim Tennistraining zusah oder im Büro die letzte Tourenrecherche zur Reportage formulierte. „Bald wieder raus“, war immer das leise Gefühl, das mich zuverlässig in regelmäßigen, meist kurzen Abständen einholte. Manch einer würde wohl sagen: Ich war getrieben. Und manchmal stimmte das wohl auch. Umso mehr wundere ich mich nun über meine Ruhe.

Also was ist passiert?

Es ist recht einfach: Wir sitzen alle im gleichen Boot. Ich telefoniere mit Freunden, die ebenso zuhause festsitzen. Ich scrolle entspannt durch meine Insta-Timeline – sie schweigt nicht, aber sie hat mir auch nicht allzu viel mitzuteilen. Keine aktuellen Inspirationen aus den Bergen. Niemand, der mir erzählt, welch feinste Powder-Abfahrt er gestern erlebt hat. Niemand, der mich anstachelt, den Rucksack zu packen. Keine coolen Filmchen von draußen.

Outdoor – das sind jetzt der Stadtpark gefüllt mit Joggern oder die leergefegten Straßen des Viertels. Mit dem Wald vor der Nase bin ich da fast schon privilegiert. Also reihe ich mich ein in die Riege der unzähligen Jogger und entdecke den Wald auf unbekannten, stillen Pfaden. Und ansonsten gibt es nichts und niemanden, der mich aus meiner Gelassenheit holen könnte. Denn wir dürfen ALLE nicht. Es ist ein angenehmes Sich-Ergeben. Und bei all dem bin ich dankbar für die liebenswerte Gesellschaft und Unterhaltung, die mir die Familie bietet.

Ute Watzl, freie Autorin
Ute Watzl ist Journalistin in München und publiziert in den Bereichen Gesellschaft, Bergsport, Familie und alpine Kultur. Sie ist Autorin von “Meine Berge – Tourenbuch für Kinder”, erschienen im Zwerg am Berg Verlag.
Thursday, April 2, 2020|

Wer Technik kann…

gepostet von Renate

Mehr Hardware als gewohnt auf meinem Schreibtisch. Besondere Zeiten erfordern besondere Technik.
Foto: RvH

Wer Technik kann, ist klar im Vorteil. So scheint es zumindest in diesen Tagen. Alles dreht sich um Zoom, Skype, Trello und andere Plattformen, die Kommunikation trotz Social Distancing ermöglichen. Insbesondere in meinem professionellen Kontext, wo sie sogenannte Präsenzveranstaltungen wie Live-Workshops und Teamsupervisionen vor Ort ersetzten sollen.

Ein Kollege hat sich kurzfristig sogar einen extra großen Bildschirm gekauft, um alles im Blick zu behalten: Teilnehmer, Whiteboards*, Breakout Rooms**. Ich frage mich, ist das eine Art, diese Krise zu bewältigen? Sie zu strukturieren und in ein neues Format zu gießen, Kontrolle zu behalten? Sicherlich. Gleichzeitig aber nimmt die digitale Revolution in Deutschland gewaltig Fahrt auf. Es entwickeln sich Formate und Erfahrungen, die in Zeiten eines Alltags jenseits des ausgangsbeschränkten Home Office wertvoll und sinnvoll sein können.

Zugegeben, zuerst habe ich den Kollegen mit dem großen Bildschirm ein wenig belächelt. Doch inzwischen habe auch ich einen alten XL-Bildschirm entstaubt. Er wird bei der nächsten Moderation eines Video-Meetings zum Einsatz kommen. Ich werde – so zumindest der Plan – die Teilnehmer besser sehen können: ihre Gesichter, die Haltung des Kopfes, also das vom Körper, was der Bildschirm zulässt.

Sitzen die Mitglieder eines Teams zusammen in einem Raum, kommunizieren die Körper miteinander. Im Zuge meiner Arbeit als Teamsupervisorin höre ich normalerweise auch diesem bedeutenden Teil des Gesprächs zu. Gerade in Zeiten von Corona, in denen unsere Körper bedroht sind, sprechen sie vermutlich noch einmal auf andere Art. In einem Zoom Meeting fällt dieser Austausch weg. Umso wichtiger werden die Gesichter.

Ich frage mich, ob wir in der virtuellen Welt nach und nach eine sensiblere Wahrnehmung für Gesichter entwickeln werden. So wie bei einem Blinden der Hörsinn besonders ausgeprägt ist… über den manche sogar Schallwellen wahrnehmen, die von Gegenständen erzeugt werden.

Jedenfalls kommt auch bei mir jetzt mehr Technik zum Einsatz. Es fühlt sich an wie eine Forschungsreise. Ich bin gespannt, wie sich die Arbeit mit Teams verändern wird!

* Die digitale Variante des Flipcharts.

** Ich lächle immer noch bei diesem Begriff: Breakout Room, von was? Oder doch eher Emergency Room?

Renate von Hodenberg
Renate von Hodenberg – Dipl. Betriebswirtin und Gruppenanalytikerin. Renate ist immer ganz bei der Sache und bewahrt den Überblick, egal ob beim Beraten von Unternehmen in Krisen, Supervidieren von Teams, in denen es hoch hergeht, oder auf anspruchsvollen Bergtouren.
Wednesday, April 1, 2020|

Sonnenschein im Ohr

gepostet von Kristian

Vorsicht, geht ins Ohr und bleibt dort: Nana Mouskouri – “Guten Morgen Sonnenschein” (1977)
Quelle: ORB

Als wir heute Morgen bei unserem Bäcker hineinkamen, schallte uns in beachtlicher Lautstärke das Lied „Guten Morgen Sonnenschein“ entgegen. Unsere „Bäckerin“ – im eigentlichen Beruf Betreiberin eines beliebten Cafés mit angeschlossener Bio-Bäckerei (letztere darf öffnen) – kommentierte unsere leichte Irritation mit einem verschmitzten: „Da müsst Ihr jetzt durch!“

„Vielen Dank“, dachte ich mir. „Der Titel wird mich jetzt den Rest des Tages hartnäckig verfolgen.“ Und so ist es auch gekommen. Der Ohrwurm ist tief hineingekrochen und hat in meinem Kopf die Taste mit der Endlosschleife gedrückt. Und damit wir alle was davon haben, liebe Leser, jetzt alle auf mein Zeichen:

Guten Morgen, guten Morgen
Guten Morgen, Sonnenschein
Diese Nacht blieb dir verborgen
Doch du darfst nicht traurig sein
Guten Morgen, Sonnenschein
Nein du darfst nicht traurig sein
Guten Morgen, Sonnenschein
Weck mich auf und komm herein
(….)

Aber sind wir milde. Es hätte auch schlimmer kommen können. Es hätte auch „Hey Baby“ von DJ Ötzi sein können. Oder „Blau, blau, blau blüht der Enzian.“ Die ganz harte „Heavy Rotation“ fürs gepeinigte Ohr. (Kurz hat es mir an dieser Textstelle in den Fingern gejuckt, einen „ein-Ohrwurm-ist-ja-auch-irgendwie-ein Virus“-Vergleich zu platzieren. Aber das erschien mir dann doch als eher unangemessen…)

Meine Ehefrau jedenfalls ruft in Ohrwurm-Momenten gerne Mal: „Sing mir schnell was anderes vor. Ich bekomme das schlimme Lied nicht mehr aus meinem Kopf!“ Funktioniert allerdings eher selten, denn ich bin ein kümmerlicher Sänger und sie erkennt meine vorgesungenen Liedalternativen eigentlich so gut wie nie…

Somit bleibt als Gegengift gegen Ohrwürmer nur schnell das Radio einzuschalten oder den Streamingsdienst anzuwerfen. Oder noch besser – Achtung kleines Werbefenster – den Alles Anders-Podcast von Marion und Christian aufzurufen. Dort gibt es zum Schluss jeder Folge einen besonderen Song. Vielleicht ja sogar einen neuen Ohrwurm, den man gerne einen Tag lang vor sich hersummt. Kostprobe? Bitteschön: The Show must go oooohoan…!

Tuesday, March 31, 2020|

This is what we know about your future!

gepostet von Kristian

„Die Zukunft war früher auch schon mal besser.“ Die präzise Analyse von Karl Valentin könnte momentan treffender nicht sein. Anfang dieses Jahres war die Zukunft noch um ein Vielfaches attraktiver. Den Auftakt der vermeintlich neuen wilden Zwanziger habe ich mir ohne Zweifel sehr viel anders vorgestellt. Komplett anders, ehrlich gesagt.

Jede Art von Zukunft beginnt damit, dass man sie sich vorstellt. Manches mag man sich auch gar nicht so genau vorstellen wollen. Bis einen die Realität einholt und die Zukunft plötzlich zur Gegenwart wird. Und da reicht aktuell ein Blick nach Spanien oder Italien, die uns ein paar Tage oder Wochen mit dem Fortschreiten der Pandemie voraus sind.

Die italienische Schriftstellerin Francesca Melandri hat uns – oder vielmehr dem Vereinigten Königreich – nun einen Brief aus der Zukunft geschrieben. „A letter to the UK from Italy: this is what we know about your future“ heißt ihr überaus lesenswerter Artikel, den es hier im britischen Guardian zu lesen gibt.

Der Beitrag ist Pflichtlektüre für alle, die sich gerade mit dem Corona-Virus beschäftigen. Also alle… Nach dem Lesen geht es einem nicht unbedingt besser, aber man hat dafür einiges mehr verstanden als zuvor.

Monday, March 30, 2020|

Krisenkreativ!

gepostet von Kristian

Mit der Motivation ist es momentan so eine Sache. Wenn man beginnt die Schlagzeilen zu lesen, gewinnt man unmittelbar den Eindruck, vieles geht gerade mehr oder weniger den Bach herunter.

Auch für die Kreativbranche (es möge sich hier jeder dazuzählen, der mag) wird es nicht unbedingt einfacher. Daher an dieser Stelle mal ein kleines Wortspiel zur Aufmunterung. Ein Ereignis hängt ja schließlich auch davon ab, aus welchem Blickwinkel man es betrachtet.

Kreativkrise?

So nicht.

Krisenkreativ!

So hingegen schon.

Wer sich gleich davon überzeugen möchte, dass wir lieber krisenkreativ sein wollen, als der Kreativkrise ins Auge zu schauen, der guckt sich hier kurz diese kleine Sammlung von tollen, kreativen Illustrationen und Statements zur aktuellen Situation an. Zusammengestellt von der wunderbaren Website “It’s nice that”.

Monday, March 30, 2020|

Der Berg ruft, auch weiterhin

gepostet von Renate

Malheur mit Symbolkraft: Dieser hölzerne Schriftzug ist mir vor einigen Tagen runtergefallen. Dabei ist er in zwei Teile gebrochen.
Foto: RvH

Der Alpenverein appelliert an Wanderer und Bergsteiger, “vorläufig auf sportliche Aktivitäten in den Bergen zu verzichten”. Trotzdem, der Berg ruft für mich leidenschaftliche Bergsteigerin, auch wenn ich dem Ruf gerade nicht folge.

Vorerst ist also “Bergfasten”angesagt. Langsam steigt jedoch die Sehnsucht… Wie wird es sein, das erste Mal wieder auf einem Gipfel zu stehen? So, wie gerade der Cappuccino auch ganz besonders schmeckt, den ich in raren Momenten “to go” trinke?

Just heute schickt mir eine Freundin aus dem Bergell in der Schweiz eine Postkarte – ein Blick auf den weiß verschneiten Pizzo Badile, davor Frühlingsstimmung im Dorf Soglio… Abgemacht, dahin werde ich als Erstes wieder fahren!

Die Postkarte steht jedenfalls jetzt an meinen Computer gelehnt und bei dem ein oder anderen Zoom-Meeting schweift mein Blick vom virtuellen Raum in diese Bergferne.

Bergpanorama im Stadtalltag: eine Postkarte aus dem Bergell. Die Scioragruppe mit der Badile Nordkante, Traumziel für passionierte Bergsteiger …oder zumindest für mich.
Foto:RvH

Wie so ein Bergblick helfen kann, die Gedanken zu weiten, erlebe ich auch an Tagen, an denen ich beruflich für ein Coaching mit einem Kunden in den Bergen unterwegs bin. Zum letzten Mal noch Mitte März. Und eigentlich wäre auch jetzt eine gute Zeit für solche Gespräche auf Bergwanderungen. Abstand gewinnen, den Blick weiten und für das Eigene, Wesentliche schärfen.

Renate von Hodenberg
Renate von Hodenberg – Dipl. Betriebswirtin und Gruppenanalytikerin. Renate ist immer ganz bei der Sache und bewahrt den Überblick, egal ob beim Beraten von Unternehmen in Krisen, Supervidieren von Teams, in denen es hoch hergeht, oder auf anspruchsvollen Bergtouren.
Sunday, March 29, 2020|

Täglich auf Sendung: Was wir vom Dauer-Podcasten mitnehmen

gepostet von Christian

Christian Jakubetz und Marion Kuchenny

In weiter Ferne und doch so nah: Christian Jakubetz und Marion Kuchenny beim gemeinsamen Podcasten.
Fotos privat

Es ist ja nicht so, dass wir nichts zum Thema Podcasten wüssten. Schließlich beschäftigen wir uns schon länger damit und produzieren den einen oder anderen Podcast.

Einen “Daily”, einen täglichen Podcast, haben wir aber auch noch nie gemacht. Das bringt ein paar Erfahrungen mit sich. Manche dürften länger Bestand haben, andere sind vielleicht nur kurzfristig gültig. Falls Sie sich aber gerade die Frage stellen, ob ein Investment in einen Podcast lohnenswert sein könnte, hier kommen ein paar unserer aktuellen Erkenntnisse:

“Daily” ist ein harter Job. Oder sagen wir: eine echte Herausforderung. Sogar zu solch ungewöhnlichen Zeiten, in denen man meinen könnte, die Themen lägen nur so auf der Straße herum. Selbst dann, wenn man gar keinen täglichen Podcast machen will, lässt sich eine wichtige Lektion aufschreiben: Man muss sich wirklich vorher darüber im Klaren sein, ob ein Thema für einen Podcast über einen längeren Zeitraum trägt. Klar, kein Podcast muss ein Projekt für die Ewigkeit sein. Manche sind von vornherein auf eine bestimmte Zahl von Folgen ausgelegt. Aber auch für eine Staffel mit, sagen wir, acht bis zehn Folgen bleibt die Grundsatzfrage:

Was soll in diesen Episoden passieren?
Banale Frage, denken Sie? Keineswegs. Wenn Sie es nicht glauben, machen Sie sich gerne einen Themeplan für einen Podcast Ihrer Wahl. Und dann streichen Sie alles weg, was

  • redudant
  • nur so mittelspannend
  • nicht von anderen schon gesagt
  • als Audio nicht gut darstellbar

ist.

Und, sind Ihre Folgen schon gefüllt? Jede mit mindestens 15 bis 20 Minuten, und zudem so, dass sie alle wenigstens ein bisschen Halbwertzeit haben und ggf. auch in ein paar Wochen noch hörenswert sind? Wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind, werden Sie feststellen: Auf eine etwaige erste Podcast-Euphorie folgt schnell etwas Ernüchterung.

Die Tücken der Technik
Und dann die Technik. Klar, es stimmt schon, was alle schreiben: Podcasts sind vergleichsweise simpel zu produzieren, man braucht nicht viel dazu. Allerdings gehört ebenfalls zur Wahrheit, dass gute Technik nicht schaden kann. Gute Technik hat, zumindest bei multimedialen Produktionen, aber auch einen anderen Effekt: Es macht die Sache komplizierter. Momentan kämpfe ich gerade mit meinem Mikro-Setup, nachdem wir Marions anfängliche Probleme schnell und mit einem simplen Kniff in den Griff bekommen haben (siehe auch unseren Betrag zum Thema Mikros). Mein Mikro knistert, was nichts mit dem Mikrofon, mutmaßlich aber mit dem neuen Interface zu tun haben dürfte.

Wie das halt so ist: Man will etwas verbessern, es wird komplizierter und dann erstmal schlechter. Man braucht folglich eine gewisse Ausdauer, will man das perfekte Setup für sich finden. Zumal man bei Fragen zum Thema “Digitaler Technik” selbst von Leuten, die sich prima damit auskennen, gerne erst einmal ein “kommt drauf an” als Antwort bekommt.

Singe, wem Gesang gegeben
Und schließlich noch ein freundlicher Hinweis an alle, die wahlweise für sich selbst produzieren oder beispielsweise als Agenturen ihre Kunden in Podcasts platzieren wollen: Der Begriff “Mikrofontauglichkeit” kommt nicht von ungefähr. Gekoppelt mit dem Wort “Eloquenz” spielt er gerade bei Audioformaten eine naturgemäß große Rolle. Nicht jeder, der ein brillanter Geist ist, ist auch ein großer Redner. Nicht jeder, der wunderbare Texte schreiben kann, hört sich vor einem Mikro genauso wunderbar an. Und nicht jeder gute Redner ist auch ein brillianter Geist…

Kurz gesagt: Lieber etwas mehr als zu wenig Selbstkritik. Zumal mal einen verunglückten Text noch immer ganz gut redigieren kann. Bei einem Podcast ist das schon wesentlich schwieriger.

Eiserne Regel des Podcasts: Man lernt nie aus
Was wir nach mehr als zwanzig Folgen im Daily-Podcast-Format “Alles anders” ebenfalls gelernt haben: Ein Podcast ist nicht gut, nur weil er lang ist. Oder anders: Es ist ganz schön schwierig, eine halbe oder womöglich ganze Stunde so zu befüllen, dass sie ohne Hänger spannend bleibt. Eigenartigerweise scheint das aber für viele Podcaster so ein unausgesprochenes Gesetz zu sein: Podcasts müssen demnach gerne eine Stunde oder noch mehr haben. Bei “Alles anders” machen wir inzwischen netto (also ohne Musik) nicht mehr als gut 15 Minuten. Am Anfang waren es gerne mal spürbar über 20. Bis wir dann, siehe das Thema Selbstkritik, uns eingestehen mussten: Jeden Tag gute und gehaltvolle 20 Minuten, das ist viel schwieriger als man meint. Davon abgesehen, dass sich Hörer 15 Minuten auch mal viel eher geben als eine ganze Stunde.

Kurzum: Seit rund einem Monat machen wir jetzt dieses Daily-Format. Und es gab keinen einzigen Tag, an dem wir nicht irgendwas dabei dazugelernt hätten. Daran, fürchte ich, wird sich auch in der nächsten Zeit nicht viel ändern.

Tuesday, April 14, 2020|

Sprühende Fantasie

gepostet von Renate

Joggen bringt auch die Fantasie ins Laufen.
Illustration: KL

Heute früh beim Joggen im Englischen Garten. Trotz blauem Himmel und ersten wärmenden Sonnenstrahlen sind außer mir nur wenige Leute unterwegs.

Und doch: Plötzlich ertönt ein mächtiges Schnaufen hinter mir. In Sekundenschnelle läuft mein Kopfkino an. Ich stelle mir vor, wie ein aufgedrehter Gartenschlauch mit hohem Druck Wasser über meinen Rücken versprüht. Und mit dem Wasser natürlich all das, was der Schlauch noch so versprühen könnte – in diesen besonderen Zeiten.

Mit einem großen Satz weiche ich auf die danebenliegende Wiese aus. Der vermeintlich virensprühende Gartenschlauch überholt mich und entpuppt sich als ein gewöhnlicher Park-Jogger. „Hat es nicht genug Abstand zwischen uns”, kommentiert er mein Hakenschlagen. Ich reagiere erheitert und beschreibe ihm den Film, der gerade in meinem Kopf gelaufen ist. Wir lachen.

So zieht er schnaufend weiter seines Weges und ich rufe ihm noch hinterher: „Auf so vielfältige und ungewöhnliche Art kommt man gerade ins Gespräch!“ Er wendet sich um, entgegnet schmunzelnd „Bleiben Sie gesund!“

“Wofür sprühende Fantasie gut sein kann”, denke ich mir und freue mich auf dem Weg nach Hause über diesen Start in den Tag.

Renate von Hodenberg
Renate von Hodenberg – Dipl. Betriebswirtin und Gruppenanalytikerin. Renate ist immer ganz bei der Sache und bewahrt den Überblick, egal ob beim Beraten von Unternehmen in Krisen, Supervidieren von Teams, in denen es hoch hergeht, oder auf anspruchsvollen Bergtouren.
Monday, April 13, 2020|

Leben? Bitte warten!

gepostet von Klaus

Autor Klaus jongliert mit der Erwartung, dass irgendwann das Leben wieder im Fluss sein wird.
Foto: Dirk Daniel Mann

Warten lernen wir gewöhnlich dann, wenn wir nichts mehr zu erwarten haben, philosophierte die Österreichische Aphoristikerin Marie von Ebener-Eschenbach schon vor über 100 Jahren sehr treffend. Worauf würde die weise Dame heute wohl warten.

Würde sie ihrem smarten Landsmann und Kanzler Sebastian Kurz persönlich aufwarten, um nach der vollständigen Rückgabe der von einem Virus dahingerafften Freiheitsrechte zu fragen? Würde sie abwarten, wie sich die unübersichtliche Lage entwickelt und darauf vertrauen, dass alles wieder gut wird, wenn sie nur lange genug wartet? Oder würde sie einfach erwarten, dass die Politik den mündigen Bürgern einen selbstverantwortlichen Umgang mit der pandemischen Corona-Krise zutraut?

Wir wissen es nicht. Was wir hingegen wissen, ist, dass alles einen Anfang und ein Ende besitzt. Und wenn wir lange genug warten, wird das Warten auch irgendwann ein Ende haben. Fatalerweise haben wir fast alle verlernt, in Ruhe zu warten.

Diese herausfordernede Übung ist eine der prägensten dieser verwirrten Virenzeit. Wir warten förmlich darauf, dass wir irgendwann infiziert werden. Wir warten auf Atemschutzmasken. Wir warten auf neue Zahlen der Infizierten und Toten, wir warten, bis Tote wieder würdevoll beerdigt werden dürfen.

Wir warten auf die Wiedereröffnung der kleinen Geschäfte, der Friseure, der Konzerthallen, der Theaterbühnen, der Fitnessstudios, der Schwimmbäder, ja sogar auf die Wiedereröffnung der Kirchen. Wir warten darauf, zum erlesenen Kreis der Immunisierten zu gehören. Man kann es kaum glauben, dass wir uns mit dem allgegenwärtigen Warten so klaglos, ergeben und zeitlos abfinden.

Es wird Zeit, dass wir uns das Leben zurückerobern. Wir können auf den Tod warten, der mit Sicherheit kommen wird. Aber wir müssen uns nicht mit endlosen Warteschleifen abfinden. Wir können auch diese Wartezeit Tag für Tag gestalten und genießen. Machen wir dem Wunder des Lebens wieder unsere Aufwartung. Worauf warten wir?

Klaus Höfler ist Multi-Unternehmer, Kommunikator, Consultant, Business- und Mental-Coach. Klaus besitzt über 30 Jahre Berufserfahrung in Marketing, Werbung und Kommunikation. Er ist Gründer und Inhaber der Leitstern Company.
Thursday, April 9, 2020|

Völlig losgelöst

gepostet von Ute

Tägliche Exit-Strategie: Kindliche Leichtigkeit
Foto: UW

Ich lese: „Das Schlimmste steht uns noch bevor.“ Lachen aus dem Wohnzimmer. Die “Zeit online” schreibt: „Boris Johnson auf Intensivstation verlegt.“ Kichern und Singen eine Etage unter mir. “Die Sterberate steigt wieder.” Der Sohn schickt fröhliche Gitarrenriffs durch Haus. Ich lese von Stille, von Stillstand und vom Stillhalten. Mein Home-Schooling-Office-Alltag ist laut.

Draußen und drinnen stehen in keinem Verhältnis mehr zueinander. Meine Kinder schenken diesem absurden, neuen Alltag gnadenlose Unbekümmertheit und ich bin ihr fast pausenlos ausgesetzt. Wie unangemessen! Ihr Lachen und Herumalbern, ihr Singen, Musizieren und Toben machen, dass ich das Virus vergesse. Die Welt da draußen mit ihren erbarmungslos wachsenden Infektions- und Todeszahlen, die Stadt mit ihren geschlossenen Läden und Existenzängsten, die Krankenhäuser mit ihren nach Luft ringenden Patienten, die Verzweiflung in beengten Wohnungen, die anderen Kindern zum Gefängnis werden.

Zu all dem läuft der Soundtrack des sorglosen Kinderlachens.

Ich kann gar nicht anders: Die Stimmung überträgt sich. Unbemerkt tauche ich ab in diesen pastellfarbenen Familienkitsch, koppel mich ab vom unheilvollen Geschehen “da draußen”. Mit einem Mal dreht sich meine kleine Welt nur um sich selbst, “völlig losgelöst”. Nena lässt grüßen. Eine Insel der Sorglosigkeit. Bis auf einmal: “Pling!” Wieder eine Breaking News auf dem Smartphone. Der Nachrichtenticker öffnet sich mit seinen Kurven und Säulen und maskierten Gesichtern. Er holt mich jäh zurück in die Wirklichkeit. Wie festgenagelt bleibe ich sitzen, während sich der Zirkus um mich herum weiterdreht.

Seid ihr schon einmal ausgelassen auf dem Trampolin gesprungen und habt anschließend versucht, auf festem Untergrund weiterzuhüpfen? Versucht es! Es geht nicht. Die Füße sind schwer wie Blei, ein Zementsack scheint euch am Boden zu halten. Und ihr lacht euch scheckig. Einmal den begrenzten Raum des Trampolins verlassen, ist Fliegen verboten. Bleierne Schwere ersetzt die Schwerelosigkeit. So ungefähr fühlt sich das jedesmal an, wenn es wieder “Pling!” macht.

Und das ist – phasenweise – meine Exit-Strategie: Wenn die Meldungen beginnen, mich zu deprimieren, wenn die Stimmung umschlägt, tauche ich wieder ab ins tröstliche Kinderspiel. Ich blende aus. Ich weiß nicht, wie lange das noch funktioniert.

Ute Watzl, freie Autorin
Ute Watzl ist Journalistin in München und publiziert in den Bereichen Gesellschaft, Bergsport, Familie und alpine Kultur. Sie ist Autorin von “Meine Berge – Tourenbuch für Kinder”, erschienen im Zwerg am Berg Verlag.
Wednesday, April 8, 2020|

Forschungsreise in virtuellen Räumen

gepostet von Renate

Auf Reisen habe ich es immer dabei, mein Fernglas. Auch bei der Erkundung neuer, virtueller Räume.
Illustration: KL

Plötzlich wird nur noch auf digitalen Plattformen kommuniziert anstatt in Besprechungszimmern und Büros. Zoom, Slack und ähnliche machen es möglich und eröffnen neue virtuelle Räume im Berufsalltag. Neue Räume für mich – und vermutlich für viele andere auch. Grund genug also, die neuen virtuellen Räume zu betreten und mich berufliche auf eine  Forschungsreise zu begeben.

Als Beraterin arbeite ich viel mit Teams, und das eigentlich immer vor Ort. Also interessiert mich, wie Präsenztermine in virtuelle Räume umziehen. Was ist dabei zu beachten? Welche Plattformen kommen in Frage. Welche davon bieten den nötigen Datenschutz. Was muss ich auf technischer Seite beachten. Wie bereite ich ein Team auf diesen virtuellen Umzug vor.

Und außerdem bin ich neugierig, wie es mir als Teilnehmerin von virtuellen Veranstaltungen geht. Ein Perspektivenwechsel: Ich begebe mich aus der Beraterrolle in die Rolle meiner Teilnehmer. Was sie virtuell wohl alles erleben?

Ich erlebe Erstaunliches, aber auch Frustrierendes. Berührendes und Überraschendes.

Erstaunlich ist, wie verbunden ich mich in virtuellen Gesprächen fühle, wie aufgehoben in so bewegten und verunsichernden Zeiten. Wie viel Nähe da aufkommen kann, im Zweidimensionalen.

Frustrierend hingegen, weil die Technik manchmal im Weg ist. Internetleitungen brechen ab, Teilnehmer sind nur schwer verständlich. Ein Rascheln, Husten, bellende Hunde, Zurufe an Kinder im Homeschooling. Nebengeräusche also aus allen nicht virtuellen, aber zugeschalteten Räumen.

Und ich erlebe Berührendes. Ich betrete eine Video Konferenz. Innerhalb von wenigen Minuten bin ich mit über achtzig Teilnehmern verbunden. Kollegen, rund um den Globus verteilt. Ein Chor von Begrüßungen, herzliches Zuwinken. Viele kenne ich von unterschiedlichen Gelegenheiten. Einige aus intensiven kollegialen Gesprächen und Begegnungen. Trotz großer Teilnehmerzahl wird im Laufe dieses virtuellen Treffens ein besonderer, auch persönlicher Austausch möglich. Das berührt mich sehr.

Ja, und dann nach 1,5 Stunden das Ende. Ich klicke auf „Meeting verlassen“. Es dauert nur wenige Sekunden und es ist wieder still. Was ein Kontrast, ein Wechselbad der Gefühle. Es fühlt sich an wie abgeschnitten, fast wie ein Verlust. So ein abruptes Ende eines Treffens finde ich gerade jetzt nicht einfach. In Zeiten, in denen immer die Frage mitschwingt, ob man alle wiedersehen wird.

Und doch, es bleibt das Berührende und Verbindende, was mich weiter trägt. Ich bin froh über die Möglichkeiten der Begegnungen in virtuellen Räumen. Über die beruflichen Forschungsreisen hinaus.

Renate von Hodenberg
Renate von Hodenberg – Dipl. Betriebswirtin und Gruppenanalytikerin. Renate ist immer ganz bei der Sache und bewahrt den Überblick, egal ob beim Beraten von Unternehmen in Krisen, Supervidieren von Teams, in denen es hoch hergeht, oder auf anspruchsvollen Bergtouren.
Tuesday, April 7, 2020|

Neue Mitarbeiter im Home-Office

gepostet von Barbara

Lesen lässt den Geist fliegen

Neue Home-Office Mitarbeiterin (nutzt Zeit zum Lesen und Experimentieren mit Foto-Apps)
Foto: BL

Für AutorInnen ist das Home-Office nichts wirklich Neues. Vor nicht allzu langer Zeit zog ich mich, nach Erledigung von Einkäufen und Familien-Admin, normalerweise an den Schreibtisch zurück, gestört nur von der um Aufmerksamkeit bettelnden Katze, die versuchte, es sich auf meinem Keyboard gemütlich zu machen.

Anders ist also seit dem Londoner Lockdown, dass mein Home-Office jetzt drei neue Mitarbeiter hat, von denen ich keinen explizit eingestellt habe. Um Missverständnissen vorzubeugen – auch ohne Lockdown würde ich die Gesellschaft meines Mannes und meiner Töchter jeder anderen vorziehen, selbst wenn wir uns zu viert in einer Zelle befänden. Unser Home-Office dagegen hat sogar einen Garten und Blick ins Grüne. Ich weiß, wie glücklich wir uns schätzen dürfen.

Meine drei neuen Mitarbeiter haben theoretisch eigene Arbeiten zu erledigen, sind aber noch neu im Home-Office, was zwangsläufig zu vielen Fragen führt.

Passwörter für Online-Banking, Online-Shopping, das Schul-Portal und natürlich Netflix werden bei mir angefragt. Gerne auch mehrfach. Die Erwartungen der Schule scheinen im Moment manchmal auch Eltern einzubeziehen, so dass ich, statt mich meiner eigenen Arbeit zu widmen, in den letzten Tagen an Projekten über Afrika, den Stromkreislauf und Pluto, den Zwergplaneten, mitgewirkt habe. Virtuelle Klavier- und Schlagzeugstunden müssen geplant und per Videokonferenz durchgeführt werden. Die jüngeren Mitarbeiter werden beim Joggen begleitet (hier noch erlaubt) – was natürlich auch Spaß macht. Die jüngste Mitarbeiterin versucht sich gerade in der Küche zurechtzufinden und macht schmerzhafte Erfahrungen beim Zwiebelschneiden. Ich versuche mich nicht einzumischen, denn es geht hauptsächlich darum, dass alle Mitarbeiter sich am Kochen/Essen/Aufräumen beteiligen, wie es sich in einer guten Bürogemeinschaft gehört.

Vor dem Lockdown hatten die neuen Mitarbeiter das Konzept des Home-Office in erster Linie mit Ausschlafen in Verbindung gebracht. Hier konnten alle von meiner langjährigen Erfahrung profitieren. Der Wecker klingelt an Werktagen genau wie vor dem Lockdown. Außerdem wird Home-Office im Pyjama nicht toleriert. Jeder muss sich morgens anziehen. Es kam zu ersten Protesten der jüngeren Mitarbeiter. Die Schule hat ihre Androhung der ersten Stunde per Video-Konferenz um 8.30 Uhr, an der alle SchülerInnen in Schuluniform teilnehmen müssen, allerdings nicht wahr gemacht. Noch nicht. Wir sind auf das Schlimmste vorbereitet.

Montag und Donnerstag sind Putztage. Das gemeinschaftliche Saubermachen hat den Vorteil, dass alle Mitarbeiter mehr Gespür für den Wert dieser Tätigkeit bekommen und nicht einfach ihr Arbeitsmaterial (Klamotten, Schulbücher, Elektronisches) in die Ecke schmeißen.

Meistens denken wir nicht daran, warum wir uns jetzt alle gemeinsam im Home-Office befinden. Doch dann erinnern uns die TV-Nachrichten, traurige Mitteilungen von Freunden und Bekannten oder Krankenwagen-Sirenen in der sonst so gespenstisch stillen Stadt an den Grund, warum wir zu Hause bleiben. Die kleinen Streitigkeiten sind jetzt viel schneller vergessen als noch vor ein paar Wochen.

Mein Tag fühlt sich mindestens so geschäftig an wie vor dem Lockdown. Ich komme aber weiterhin zum Schreiben. Die Katze besucht mich seltener, jetzt wo sie mehrere Laptop-Besitzer zur Auswahl hat. Eigentlich schade, denn im Moment schreibe ich gerade an einem Buch über Katzen.

Barbara Laban lebt und arbeitet in London. Ihr Kinderbuch-Debüt »Im Zeichen des Mondfests« wurde mit dem Goldenen Pick und dem Goldenen Bücherpiraten ausgezeichnet. Zuletzt erschien von ihr das Buch „Rebecca – verflucht, ausgerechnet England!”. Barbara studierte Sinologie und arbeitete vor ihrer Tätigkeit als Buchautorin u.a. als Übersetzerin und Studienleiterin an einem Zentrum für chinesische Medizin.
Monday, April 6, 2020|

Ein Königreich für ein (Podcast-)Mikro

gepostet von Christian

Das Schöne an Podcasts: Man kann sie vergleichsweise schnell aufsetzen. Der Nachteil an Podcasts: Man hört sofort, wenn sie schnell aufgesetzt sind.

Für unseren “Alles anders”-Podcast (Bezugsquellen siehe Seitenkopf!) haben Marion Kuchenny und ich nicht lange gebraucht. Ein bisschen telefoniert, ein wenig Technik wie beispielsweise Zencastr oder Podcaster.de installiert – und nach gefühlten zwei Stunden Vorbereitungszeit, die in Wirklichkeit zwei Tage waren, ging die erste Folge online.

Um ehrlich zu sein: Die erste Folge würde ich am liebsten löschen und die Folgen zwei und drei auch. Davon abgesehen, dass wir nach so kurzer Zeit inhaltlich noch nicht wirklich rund liefen, hatten wir ein anderes, simples und gleichzeitig gewichtiges Problem. Radioprofi Marion arbeitet nämlich normalerweise beim Hessischen Rundfunk (genauer: sie moderiert bei HR1). Da gibt es hübsche Studios und High-End-Equipment. Bei ihr zuhause gab es ein Headset vom Handy. Das ging schon irgendwie, klang aber leicht blechern. Und verschenkte einen unseren (zumindest aus unserer Sicht) großen Vorteile bei diesem Projekt: Wir haben einen echten Moderations-Vollprofi an Bord und lassen den durch ein 30-Euro-Mikro reden.

Weil das natürlich auch der Radioprofi Marion sofort gehört hat, haben wir das schnell geändert. Marion hat sich ein Sennheiser-Mikro zugelegt – und schon klang (und klingt) das ganze nahezu wie im Studio. Die Einschränkung “nahezu” hat damit zu tun, dass wir den Podcast naturgemäß nicht Face to Face aufnehmen können, sondern über ein “virtuelles Studio” namens Zencastr. Das funktioniert leidlich gut als VoIP-Lösung, kann aber naturgemäß mit einem richtigen Studio nicht ganz mithalten. Trotzdem, für das schnelle podcasten oder auch nur Einholen von O-Tönen ist das eine weitaus bessere Lösung als beispielsweise Telefon oder Skype. Und im Zeitalter von Corona auch noch: alternativlos.

Wenn Sie also einsteigen wollen in “Alles anders”, machen Sie das idealerweise ab Folge 5 oder 6. Und wenn Sie selbst mal podcasten wollen: Sie dürfen alles, nur nicht am Mikro sparen.

Monday, April 6, 2020|

Jump!

gepostet von Christian

In Großbritannien tanzen gerade ganz viele Menschen diese Szene mit Hugh Grant nach. Warum? Weil die BBC diesen funky dance immer wieder in den Nachrichten gezeigt hat, nach dem Motto: Keep on groving! Keine ganz schlechte Idee. Und man stellt fest: Mr. Grant hat viele große Momente der Filmgeschichte zu verantworten, aber das ist vielleicht der Größte.

Sunday, April 5, 2020|

Social Distancing: Andere Planeten, andere Sitten.

gepostet von Kristian

Gruß der Vulkanier in Corona-Zeiten

Neue Begrüßungsgesten braucht das Land. Das vulkanische “V” zum Beispiel wäre gerade überaus alltagstauglich. 
Foto: BK

1992, New York, ein für damalige Verhältnisse unendlich cooler Laden irgendwo im East Village. „You wanna be the captain or a member of the crew?” Auf diese Frage des Verkäufers war ich nicht vorbereitet. Reflexartig entscheide ich mich für den Kauf des hellblauen Crew Member-Shirts von Mr. Spock. Schließlich ist man ja nur Tourist im Land und möchte nicht gleich anmaßend in die Chefrolle von James T. Kirk, dem Captain der USS Enterprise, schlüpfen.

Das Mr. Spock-Shirt aus der Science Fiction Fernsehserie Star Trek ist mittlerweile das mit Abstand älteste Kleidungsstück in meinem Schrank. Auch wenn ich es so gut wie nie trage, es übersteht regelmäßig jedes noch so rigorose Ausmisten des Kleiderschranks.

Mr. Spock stammt vom Planeten Vulkan. Mit der aktuellen Corona-Brille betrachtet scheinen die dortigen Bewohner sehr „pandemieerfahren“. Sie betreiben Social-Distancing auf Profi-Niveau. Denn die Vulkanier pflegen ein vergleichsweise unterkühltes Miteinander. Man folgt mit geringsten Emotionen den Leitlinien der Logik. Man handelt kontrolliert. Auch bei der Begrüßung hält der Vulkanier Abstand und berührt sich nicht.

Das “Grüß Gott” der Vulkanier lautet: „Live long and prosper.“ In der deutschen TV-Serien-Übersetzung wurde daraus ein „Lebe lang und in Frieden.“ Vielleicht sollten wir momentan alle einen Tick mehr den Vulkanier in uns suchen. Mein hellblaues Spock-Shirt halte ich jedenfalls in diesen Tagen besonders in Ehren.

Die sehr schöne Dokumentation „For The Love Of Spock“ über Star Treks Mr. Spock und dessen Darsteller Leonard Nimoy gibt es seit kurzem auf Netflix. Regisseur (und Sohn) Adam Nimoy geht darin auf eine sehr persönliche Entdeckungsreise. Prädikat: Faszinierend.

Saturday, April 4, 2020|

Corona-Blues? Keine Spur.

gepostet von Ute

Auf stillen Pfaden unterwegs

Plötzlich fast ein Privileg: Wohnen am Waldrand. Die Geschwister entdecken unbekannte Pfade. Ganz ohne Mindestabstand.
Foto: UW

Das Jammern wird lauter. „Kein Ausflug in die Berge! Reist mit mir in Gedanken“, rufen die Insta-Accounts mit ihren blau-weiß-grünen Gipfelbildern. „Keine Kletterhalle! Bouldern kann man überall“, wird mit witzigen Filmchen aus den Wohnzimmern getwittert. Woche zwei der Ausgangsbeschränkungen. Meine Outdoor-Community wird indoor kreativ im kollektiven Lockdown: mit Gipfelrätseln, virtuellen Touren, T-Shirt-Aktionen und Podcasts. Und aus allem schreit die gemeinsame Sehnsucht, endlich wieder ausfliegen zu können, zu Fuß, auf Ski, mit dem Rad, am Seil.

Und ich? Ich sitze in der Sonne im Garten, beim Spiel mit den Kindern, putze die Wohnung, ich koche (!), ich turne mit den Kids – und das alles mit ungekannter Seelenruhe. Von Lagerkoller keine Spur. Ich nehme mir Zeit; was ich tue, tu ich mit Hingabe, sogar kochen (!). Ich genieße das Alltägliche, die kleinen Routinen. Wie oft hatte ich mir das insgeheim gewünscht. Es wollte mir nie so recht gelingen.

Was ist eigentlich passiert?

Dabei hatte man mir einen besonders gravierenden Corona-Blues prophezeit. Hatte ich nicht immer schon die nächste Skitour im Kopf, die nächste Bergtour, den nächsten Gipfel? Stand ich nicht immer schon wieder mit einem Fuß auf der Fahrrad-Pedale, noch während ich Hausaufgaben kontrollierte, Stunden beim Tennistraining zusah oder im Büro die letzte Tourenrecherche zur Reportage formulierte. „Bald wieder raus“, war immer das leise Gefühl, das mich zuverlässig in regelmäßigen, meist kurzen Abständen einholte. Manch einer würde wohl sagen: Ich war getrieben. Und manchmal stimmte das wohl auch. Umso mehr wundere ich mich nun über meine Ruhe.

Also was ist passiert?

Es ist recht einfach: Wir sitzen alle im gleichen Boot. Ich telefoniere mit Freunden, die ebenso zuhause festsitzen. Ich scrolle entspannt durch meine Insta-Timeline – sie schweigt nicht, aber sie hat mir auch nicht allzu viel mitzuteilen. Keine aktuellen Inspirationen aus den Bergen. Niemand, der mir erzählt, welch feinste Powder-Abfahrt er gestern erlebt hat. Niemand, der mich anstachelt, den Rucksack zu packen. Keine coolen Filmchen von draußen.

Outdoor – das sind jetzt der Stadtpark gefüllt mit Joggern oder die leergefegten Straßen des Viertels. Mit dem Wald vor der Nase bin ich da fast schon privilegiert. Also reihe ich mich ein in die Riege der unzähligen Jogger und entdecke den Wald auf unbekannten, stillen Pfaden. Und ansonsten gibt es nichts und niemanden, der mich aus meiner Gelassenheit holen könnte. Denn wir dürfen ALLE nicht. Es ist ein angenehmes Sich-Ergeben. Und bei all dem bin ich dankbar für die liebenswerte Gesellschaft und Unterhaltung, die mir die Familie bietet.

Ute Watzl, freie Autorin
Ute Watzl ist Journalistin in München und publiziert in den Bereichen Gesellschaft, Bergsport, Familie und alpine Kultur. Sie ist Autorin von “Meine Berge – Tourenbuch für Kinder”, erschienen im Zwerg am Berg Verlag.
Thursday, April 2, 2020|